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Buch "Vom Wunsch zur Wirklichkeit"
von Thomas Eigner MA
Lebensveränderung, ganzheitliche Gesundheit & Potentialentfaltung

13. Bewerten und Urteilen bleiben lassen

Am Rande des Dorfes lebte ein älterer Pferdezüchter mit seinem Sohn. Eines Tages lief eines ihrer Pferde vom Gestüt weg und konnte von den Suchenden nicht gefunden werden. Die anderen Dorfbewohner sagten zum Pferdezüchter: „Da hattest Du aber Pech!“ Der Alte antwortete darauf: „Alles ist gut, so wie es ist.“ Wenige Tage später kam das verloren geglaubte Pferd von selbst zurück auf den Hof – und brachte sogar noch drei Wildpferde mit. Da sagten die Dorfbewohner zum Pferdezüchter: „Da hattest Du aber Glück.“ Der Alte antwortete: „Alles ist gut, so wie es ist.“ Beim Zureiten der Wildpferde stürzte sein Sohn vom Pferd und brach sich ein Bein. Da sagten die Dorfbewohner: „Da hattest Du aber Pech.“ Darauf antwortete der Pferdezüchter: „Alles ist gut, so wie es ist.“ Wenige Tage später brach Krieg aus und alle jungen Männer wurden zum Kriegsdienst einberufen. Der Sohn des Züchters blieb jedoch davon verschont, da er sein Bein nach wie vor nicht belasten konnte.

Buch - Thomas Eigner MA

Diese Geschichte ließe sich noch ewig fortsetzen. Wichtig ist zu erkennen, dass wir erstens aus einer einzigen Situation kaum gültige Rückschlüsse bezüglich deren Einfluss auf unser gesamtes Leben ziehen können. Angenommen, Du bewirbst Dich für Deinen Traumjob. Du willst ihn unbedingt bekommen, aber Du erhältst dennoch eine Absage. Du bist wütend und traurig darüber und hast einen Durchhänger. Einige Zeit später bewirbst Du Dich erneut, diesmal für eine andere Stelle. Du wirst engagiert und merkst rasch, dass Dir diese Position um ein Vielfaches besser gefällt, als es Dein alter Traumjob je gekonnt hätte. Manchmal entpuppt sich ein Fluch doch noch als Segen. Urteile deshalb bitte nie zu früh.

Zweitens sind Bewertungen in „Gut“ oder „Schlecht“, „Richtig“ oder „Falsch“ etc. äußerst subjektiv und nie allgemeingültig. Auf der ganzen Welt gibt es zum Beispiel unterschiedliche Gesetze und Regeln für dieselben Sachverhalte, weil es verschiedene regionale, kulturelle, politische und religiöse Auffassungen dazu gibt. Wenn Du etwa den Motor Deines Autos während des Einkaufens in einem deutschen Supermarkt laufen ließest, würden alle rufen: „Das ist falsch, weil das Umweltverschmutzung und Verschwendung ist!“ Wenn Du jedoch im Winter im russischen Oimjakon einkaufen gehen würdest, wo es durchschnittlich minus 50 Grad Celsius herrschen, musst Du den Motor laufen lassen, sonst kannst Du Dein Auto nach dem Einkaufen nicht mehr starten.

Sobald Du bewertest, schließt Du Optionen und Lernmöglichkeiten für Dich aus. Wenn Du beispielsweise einen Autounfall hattest, könnte Deine Schlussfolgerung, also Deine Bewertung, lauten: „Autofahren ist gefährlich.“ Damit verschließt Du Dich aber etlichen Lernerfahrungen, wie etwa: „Ich habe überlebt.“, „Ich habe die Situation (dennoch) gut gemeistert.“, „Ich bewege mich ab sofort achtsam durchs Leben.“ und viele mehr.

Vielleicht bist Du aus verschiedenen Gründen auch der Meinung: „Ich hatte eine schlimme Kindheit.“ Das mag aus Deiner Sicht definitiv richtig sein. Diese bewertende Sichtweise kann Dich jedoch auch einschränken, denn Du könntest aus Deiner Kindheit zusätzlich lernen und erkennen, etwa: „Ich habe überlebt.“, „Ich habe Lebenswillen.“, „Ich habe Ausdauer.“, „Ich bin selbstständig.“, „Ich achte auf mich selbst.“, „Ich bin optimistisch.“, „Ich bin ein toller Mensch.“, „Ich kann mich auf mich selbst verlassen.“, „Ich bin stark.“, „Ich bin tapfer.“, „Ich bin mir selbst dankbar.“, „Ich liebe mich.“ und viele mehr. Wäre es nicht schön, durch das Weglassen von blockierenden Bewertungen solche wichtigen und tollen Lernerfahrungen für den Rest Deines Lebens in Deiner Erinnerung mitzutragen? Dann stünden sie Dir stets zur Verfügung, wenn Du doch einmal wieder in negative Sichtweisen verfallen solltest. „Für die lernende Seele hat das Leben auch in seinen dunkelsten Stunden einen unendlichen Wert“, erkannte dazu auch schon Immanuel Kant.

Je häufiger Du etwas denkst, desto eher glaubst Du es auch. Es wird für Dich irgendwann zur Wahrheit. Die Datenautobahn in Deinem Gehirn wird bei jeder Wiederholung breiter und lässt irgendwann kaum mehr Alternativen zu dem betreffenden Thema zu. Wie Du denkst, so wirst Du auch reden und handeln. Und das wiederum beeinflusst Dein gesamtes Leben. Ich verweise hier neuerlich auf Einstein, der bereits sinngemäß sagte: „Gedanken erschaffen Realität.“ Wäre es dann nicht sinnvoll, wenn Deine Gedanken über Dich und Deine Umwelt, über Deine Vergangenheit, Gegenwart und sogar Zukunft möglichst unterstützend wären? „Ich bin nicht*, was mir passiert, ich bin, was ich wählen werde“*, erklärte C. G. Jung hierzu passend.

Immerhin kannst Du in allem etwas Positives sehen. Jede von Dir als subjektiv negativ bewertete Eigenschaft kann auf mindestens eine Art auch positiv umformuliert werden, wie etwa:

  • „Er ist mühsam“ -> „Er ist hartnäckig und will das Beste erreichen“

  • „Sie kommt immer zu spät“ -> „Sie lebt entschleunigt und genießt“

  • „Er redet wenig“ -> „Er ist gut im Beobachten“

  • „Sie ist verschlossen“ -> „Sie will sich schützen“

  • „Er hat ein Suchtproblem“ -> „Er ist auf der Suche nach etwas“ etc.

Diese Möglichkeit, Dinge aus einer anderen Perspektive heraus zu sehen, verleiht Dir weitere Optionen im Leben. Diese wiederum unterstützen Dich auf Deinem Weg zu ganzheitlichem Erfolg. Die Frage ist nur: Willst Du den Fokus weiterhin auf Mangel und Negatives legen, oder wirst Du auf lange Sicht glücklich, zufrieden, gesund und ganzheitlich erfolgreich, wenn Du vermehrt den Blick auf das Positive, Unterstützende richtest?

„Mach Dich von Deinen Vorurteilen los, und Du bist gerettet“, schrieb schon der römische Kaiser Mark Aurel im 2. Jahrhundert nach Christus. Und Rudolf Steiner empfiehlt: „Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als dass man verurteile.“ Manchmal lehnen wir ein bestimmtes Verhalten, das andere an den Tag legen, besonders vehement und leidenschaftlich ab. Warum ist das der Fall? C. G. Jung erklärte dazu sinngemäß, dass es sich hier entweder um ein Verhalten handelt, das Du selbst gelegentlich gerne zeigen würdest, Du es Dir aber nicht erlaubst. Oder es kann sich um Verhaltensweisen handeln, die Du schon gelegentlich auslebst, Du Dir aber aus irgendeinem Grund nicht zugestehst, dass Du das bereits machst.

Nehmen wir zum Beispiel an, dass Du Dich immer wieder ganz besonders aufregst, wenn jemand im Straßenverkehr zu schnell fährt. Dann kann das einerseits dafür stehen, dass Du das manchmal auch gerne so tun würdest, Du es Dir aber selbst nie erlaubst. Es kann andererseits aber auch ausdrücken, dass Du es mit der Geschwindigkeit auch nicht immer so genau nimmst, Du Dir das aber nicht eingestehen willst. Du hast ja schließlich immer gute und wichtige Gründe für die Geschwindigkeitsübertretung – ganz im Gegensatz zu dem anderen ;). „Wir erschrecken über unsere eigenen Sünden, wenn wir sie an anderen erblicken“, schrieb schon Johann Wolfgang von Goethe rund um das Jahr 1800. Und der Dalai Lama regt diesbezüglich dazu an: „Lass das Verhalten anderer nicht Deinen inneren Frieden stören.“

Generell empfehle ich Dir, ab sofort genau wahrzunehmen und Dich danach damit auseinanderzusetzen, wenn Du etwas besonders ablehnst. Was will Dir das genau zeigen und Dich lehren? Hast Du Dich zum Beispiel bislang über bestimmte Abschnitte in diesem Buch geärgert? Wie geht es Dir im Leben mit dem Ausgleich zwischen Tun und Sein, Ruhe und Arbeit, Yin und Yang etc.? Genauer gehe ich im Kapitel 2 im Abschnitt „Leistung optimieren“ noch darauf ein. Es ist jedenfalls gut und zielführend für die Erlangung von ganzheitlichem Erfolg, wenn Du alle Anteile integrierst, selbst die, welche aktuell noch ein rotes Tuch für Dich darstellen. „Wenn Du in vollständiger Akzeptanz lebst, mit allem, was ist, dann ist das das Ende aller Dramen in Deinem Leben“, meint dazu Eckhart Tolle.

Jedes Gegenstück ist wichtig – Tag und Nacht, Gut und Böse, Gesundheit und Krankheit, Fülle und Mangel etc. Ohne den Gegensatz „hungrig“ zum Beispiel würden wir es nämlich nicht wertschätzen, wenn wir satt und versorgt sind. Wir würden „satt“ nicht einmal (er-)kennen. Von Khalil Gibran stammt dazu folgende Weisheit: „Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt.“

 

Welchen praktischen Nutzen hast Du von diesem Abschnitt? Er soll Dich dazu anregen, ehrlich und achtsam Dein Leben nach Bewertungen zu scannen. Wenn Du diese gehen lässt, wirst Du freier und ganzheitlich erfolgreicher, wie die folgenden beiden Beispiele zeigen sollen:

Beispiel 1: Angenommen, Du teilst Deine Wettkampfgegner vor einem Wettbewerb bewusst oder unbewusst in „besser als ich“ und „schlechter als ich“ ein. Jene, die Du als besser eingestuft hast, werden dadurch automatisch hochstilisiert und Du hemmst Dich damit mental. Vielleicht hättest Du am Wettkampftag gute Chancen gegen sie gehabt, weil Du effektiver trainiert hast oder sie eine schlechte Tagesverfassung hatten. Durch die Bewertung vergibst Du aber im Vorfeld vielleicht bereits die Chance darauf, Dir das zu beweisen. Jene wiederum, die Du als schlechter eingestuft hast, werden durch Deine Bewertung im Vorfeld bereits von Dir unterschätzt. Du begegnest ihnen und ihrer Tagesleistung zu wenig achtsam und kannst Dich deshalb nicht ausreichend oder erst zu spät anpassen, sollten sie doch eine höhere Leistung zeigen, als Du ihnen zugetraut hättest. Ein Unterlassen von Bewertungen im Vorfeld hätte beides vermieden und stattdessen Deine Aufmerksamkeit direkt auf Dich selbst und Deine Wahrnehmungen am Wettkampftag gelenkt.

Beispiel 2: Du lebst in einer Ehe, die momentan vielleicht nicht ganz optimal läuft, weil ihr beide beruflich stets äußerst viel zu tun habt. Die gemeinsame Kinderbetreuung stellt zwar eine schöne, aber auch sehr anstrengende zusätzliche Herausforderung dar. Heute kommst Du nach einem harten Arbeitstag nach Hause und ärgerst Dich sofort, weil Dein Partner wieder einmal alles anders gemacht hat, als Du es Dir wünschst. Das Haus sieht wie ein Schlachtfeld aus, der Haushalt wurde nicht wie vereinbart erledigt und in der Küche läuft sogar das Wasser aus dem Hahn, obwohl es niemand benötigt. Dein Partner weiß, dass Du das wirklich hasst, wenn Du nach Hause kommst und statt Ruhe ein Chaos vorfindest. Du beginnst innerlich negativ zu bewerten und zu schimpfen. Stress und Wut steigen hoch und Du bist knapp vor dem Herumschreien. Da siehst Du plötzlich Deinen Partner mit eurem Kind im Arm aus dem Garten hereinkommen. Das Arme hat sich ein Knie blutig geschlagen und weint bitterlich. Dein Partner sieht selbst sehr ausgelaugt und überfordert drein. Schlagartig wird Dir klar, dass es vermutlich nur deshalb im Haushalt so chaotisch aussieht, weil Dein Partner selbst einen äußerst herausfordernden Tag hatte, und dass das Wasser aus dem Hahn nur deshalb noch floss, weil Dein Partner gleich zu eurem verletzten Kind gelaufen war – wie es jedes verantwortungsbewusste Elternteil auf der Welt tun würde. Du hast also völlig grundlos zu bewerten begonnen und Deine innere Balance umsonst aus der Bahn geworfen. Hast Du etwa geglaubt, dass Dein Partner Dir absichtlich Chaos beschert? Ist es nicht vielmehr so, dass jeder Mensch in jedem Moment das für sich in dieser Situation bestmögliche Verhalten zeigt?

 

„Aber was ist mit dem, was andere über MICH denken – wie sie mich bewerten?“, fragst Du? Charlie Chaplin sagte dazu sehr weise: „Sorge Dich mehr um Dein Gewissen als um Deinen Ruf. Denn Dein Gewissen ist das, was Du bist, Dein Ruf ist das, was die anderen von Dir halten. Und das*, was die anderen von Dir halten, ist ihr Problem.“* Was andere über Dich denken, mache bitte nicht zu Deiner Angelegenheit. Wie wir bereits in vorigen Abschnitten geklärt haben, kannst Du es ohnehin niemals jedem um Dich herum recht machen. Und wenn Du es versuchen würdest, dann wären vielleicht die anderen mit Dir zufrieden, aber Du selbst unglücklich.

Deine Angelegenheit ist es jedoch, zu ergründen und zu optimieren, was Du über Dich selbst und auch über andere denkst, glaubst und urteilst. Das ist das Einzige, was zählt. Erlaube anderen ruhig, Dich zu verurteilen, denn Du erkennst jetzt, dass sie damit nur ihren eigenen Unfrieden auf Dich projizieren.

„Ganzheitlicher Erfolg kommt durch das Unterlassen von Bewertungen zugunsten Deiner persönlichen Freiheit!“

 

Die Lösung:

  1. Eingestehen: Gestehe Dir auch hier ehrlich ein, wo Du überall noch Bewertungen vornimmst.

  2. Hinderliches erkennen: Erkenne, welche davon für Dich auf dem Weg zum ganzheitlichen Erfolg hinderlich sind.

  3. Positiv umformulieren: Nimm diese und finde dazu Positives als Gegensatz zu Deinen Bewertungen. Zum Beispiel:

    • „Ich bin nicht erfolgreich.“ -> „Ich bin schon auf einem guten Weg hin zum erwünschten Erfolg. Ich kenne mein Ziel und die dafür notwendigen Teilschritte und ich bleibe dran.“

    • „Mein Leben ist so schwierig.“ -> „Ich habe im Leben immer wieder Herausforderungen, die mir Lernerfahrungen bescheren und mir meine Stärken, aber auch mein Verbesserungspotential bewusst machen, die mich wachsen lassen.“

    • „Ich hasse meinen Job.“ -> „Ich darf erkennen, dass es Zeit für eine berufliche Veränderung ist. Ich werde diese Schritt für Schritt umsetzen.“

    • „Ich bin oft krank.“ -> „Meine körperliche und psychische Gesundheit erfordern hohe Aufmerksamkeit von mir. Diese werde ich mir ab sofort zukommen lassen. Ich benötige Gesundheit als Basis für meinen ganzheitlichen Erfolg.“ etc.

  4. Fokus bewahren: Behalte Dir ab sofort diesen positiven Blick bei, damit Du die Möglichkeiten, Wege und Zeichen in Deinem Leben erkennen kannst.

Auf den Punkt gebracht: Lasse Beurteilungen in „gut/schlecht“, „schön/hässlich“, „tüchtig/faul“, „sinnvoll/unnütz“, und Ähnliches gehen. Indem Du eine Gegebenheit bewertest, hilfst Du weder Dir selbst, noch veränderst Du etwas daran. Ganz im Gegenteil, es hemmt Dich in Deiner Entwicklung, weil Du es unterlässt, andere Betrachtungsweisen als Deine subjektive einzunehmen. Unterschiedliche Perspektiven urteilsfrei einzunehmen ist jedoch eine wichtige Voraussetzung zum Erlangen von ganzheitlichem Erfolg. „Gehe hundert Schritte in den Schuhen eines anderen, wenn Du ihn verstehen willst.“, lautet eine alte indianische Weisheit. Indem Du Deine Art der Betrachtung wechselst, lernst Du dazu und gewinnst Möglichkeiten. Im Idealfall erkennst Du Bewertungen als unnötigen Ballast an und wirfst sie über Bord, zugunsten Deiner persönlichen Freiheit sowie Deines ganzheitlichen Erfolges.

Notiere: Bei welchen Themen nimmst Du noch Bewertungen vor? Was lehnst Du besonders emotional ab?

Möchtest Du persönliche Unterstützung erhalten? Vereinbare gerne gleich einen Beratungstermin mit mir. (Kontakt zur Terminvereinbarung)

 

Viel Erfolg! Herzlichst,

Thomas Eigner (über den Autor)

Experte für Lebensveränderung, ganzheitliche Gesundheit und Potentialentfaltung

Vom Wunsch zur Wirklichkeit
Glück und Erfolg in allen Lebensbereichen erlangen

Buch - Thomas Eigner MA

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